Ente vs. Immich – ein Vergleich

Sowohl Ente als auch Immich sind Werkzeuge, um Bilder und Videos zu verwalten und beide kommen mit einer Self-Hosting-Option. Und auch wenn sie im Allgemeinen das gleiche tun, so haben sie einige fundamentale Unterschiede in ihrer Implementierung.

In diesem Artikel vergleiche ich sie explizit für das Self-Hosting und ignoriere daher die Cloud-Version von Ente. Wenn du nicht an Self-Hosting interessiert bist, dürfte Ente sowieso der Weg sein, den du gehst.

Prinzipien

Immich speichert die Dateien in ihrer unverschlüsselten Form, wodurch sie auch dann verfügbar sind, wenn die Software selbst kaputt geht. Ente dagegen verschlüsselt alle Dateien. Während das grundsätzlich eine gute Sache ist, macht es dich von ihrer Implementierung abhängig. Und wenn die Software kaputt geht, gibt es keine einfache Möglichkeit, an die Dateien zu kommen. Da ich zudem nur lokal selbst hoste, benötige ich die Verschlüsselung eigentlich nicht.

Daneben speichert Immich die Dateien einfach in einem Verzeichnis, das du definierst, während Ente tatsächlich einen S3-Speicher erfordert, was wiederum einen administrativen Mehraufwand mitbringt.

Dies ist außerdem keine vollständige Rezension zwischen allen Funktionen beider Systeme. Ich schreibe nur über die Dinge, die mir bei der Verwendung aufgefallen sind. Es ist mehr eine Sammlung von Eindrücken, wie sie sich verhalten.

Installation

Die Installation von Immich ist recht selbsterklärend und lässt keine Fragen offen. Das ist für Ente nicht der Fall, da du verstehen musst, wie die einzelnen Teile des Systems zusammen arbeiten, um es lauffähig zu bekommen. Das ist auch explizit der Fall für mein TrueNAS-Community-System, da Immich dort über eine vordefinierte App installiert werden kann, während Ente manuell installiert werden muss.

Import

Da ich alle meine Fotos und Videos importieren wollte, hatten auch beide Systeme etwas zu tun, da es über 16.000 Dateien zum importieren gab. Immich sagte mir, wenn Dateien ausgeschlossen wurden, allerdings nicht warum. Ich gehe davon aus, dass es hier im Duplikate ging, da ich teils dieselben Bilder von iOS als auch macOS importierte.

Keine der beiden Apps führte allerdings einen reibungslosen Import durch. Während der Upload bei Ente wesentlich schneller ging, benötigte es dabei so viel Energie und Ressourcen zur Berechnung, dass das iPhone in dieser Zeit kaum noch verwendbar war. Unter macOS benötigte es zudem rund 60 % CPU-Auslastung während des Imports.

Auch stoppte der Import unter iOS mehrfach und brachte die App öfter zum Absturz, oftmals nach 50 – 150 Dateien. Aber manchmal schaffte es auch über 1.000 Dateien in einem Versuch.

Während die Immich-App dagegen nicht so viele Ressourcen benötigte, war sie wesentlich langsamer. Und auch sie stürzte öfter ab als sie sollte.

Am Ende benötigte Ente etwa vier Stunden für den Import aller Daten, während Immich über 24 Stunden benötigte.

Mobile iOS-App

In Kürze: Die Ente-App ist fast immer überlegen. Das Synchronisieren von Dateien im Hintergrund ist schneller, die Anzeige von Dateien auf meinem NAS ist wesentlich schneller, insbesondere bemerkbar im selben Wi-Fi, wo Immich manchmal so reagiert, als hätte man nur eine langsame 3G-Verbindung.

Eine Sache, die ich in der Ente-App bemerkte (und mich zuerst stutzig machte, weil ich nicht damit rechnete), war dass sie die Bilder auf dem Gerät selbst für die Anzeige verwendet. Zumindest wenn keine Verbindung zum Server besteht. Daher werden Bilder aus der Fotos-App dort immer angezeigt, auch ohne Internetverbindung. Immich dagegen speichert lokal nur Vorschaubilder ab und erlaubt keinen Zugriff auf die lokal gespeicherten Bilder, wenn keine Verbindung vorhanden ist.

Ich mag außerdem die UI von Ente mehr, aber im Grunde sind sie recht gleich. Scrollen fühlt sich bei der Ente-App besser und stotterungsfrei an, da insbesondere letzteres beim schnellen Scrolling in Immich nicht gegeben ist.

Das kommt jedoch alles mit einem großen Nachteil: Praktisch alles, was du in der Ente-App tust, erfordert hohe Ressourcen zur Berechnung, was insbesondere beim Anschauen von Videos bemerkbar ist. Mein iPhone 13 Pro wird dabei sehr heiß, während es solch ein Problem nicht unter Immich gibt.

Mein Verdacht ist, dass das an der ständigen Entschlüsselung in Ente liegt, da die Server-Anwendung stets ohne viele Ressourcen auskommt.

Server-Ressourcen

Was uns zu den Server-Ressourcen bringt. Ente läuft bereits mit minimalen Ressourcen. Laut der Dokumentation reichen sogar Embedded-Geräte als Server aus. Auf der anderen Seite erfordert Immich 4 GiB Arbeitsspeicher (6 GiB empfohlen) und 2 CPU-Kerne (4 Kerne empfohlen.

Auf meinem System benötigen die Ente-Apps rund 130 – 150 MiB Arbeitsspeicher und haben praktisch keinen CPU-Verbrauch während der Anzeige eines Videos, der S3-Speicher benötigt 300 – 500 MiB RAM und hat 1 – 3 % CPU-Verbrauch zur selben zeit.

Immich auf der anderen Seite benötigt rund 950 MiB RAM und auch 3 % CPU-Verbrauch bei der Anzeige eines Videos.

Wenn du allerdings Dateien hochlädst, siehst du sehr gut den Unterschied zwischen einer Verarbeitung auf dem eigenen Gerät bei Ente, was zu praktisch keinem nennenswerten Ressourcenverbrauch auf dem Server führt, während Immich rund 25 % meiner AMD Ryzen 5 PRO 2400GE CPU beansprucht und auf 1,6 GiB Arbeitsspeicher-Verbrauch kommt.

Und selbst wenn alle Systeme im selben Wi-Fi sind, kann ein 4K-Video manchmal nicht ohne Buffering in Immich angeschaut werden. Es lädt dann einfach nicht schnell genug (wobei das mit den letzten Updates wohl verbessert wurde). Allerdings ist der Vergleich nicht wirklich fair, da Ente dir gar nicht erlaubt, das Original-Video anzusehen. In meinem Fall war das Originalvideo rund 145 MiB groß. Bei der Anzeige in Ente war es aber nur halb so groß. Dort wird in Ente demnach definitiv eine Art Konvertierung vorgenommen.

Interessant ist auch, dass Immich einen Speicherverbrauch von 127 GiB hat, während der S3-Speicher von Ente nur 107 GiB benötigt. Eventuell liegt das an besagter Video-Konvertierung. In seiner UI zeigt Immich sogar einen vollkommen falschen Wert von 236 GiB angibt.

Machine Learning

Beide Projekte verwenden Machine Learning, beispielsweise zur Gesichtserkennung oder die Verwendung der Suche in natürlicher Sprache. Beides funktioniert erwartungsgemäß. Beide Projekte bekommen zudem einen Pluspunkt, da sie explizit den richtigen Begriff Machine Learning verwenden und nicht „KI“.

In Ente passiert dabei der Machine-Learning-Prozess auf dem jeweiligen Endgerät, während Immich das serverseitig vornimmt. Während beides problemlos funktioniert, mag ich es lieber auf der Serverseite (da mir auch der Server gehört), um die Ressourcen auf den (oft mobilen) Geräten niedrig zu halten.

Fazit

Auch wenn ich sie nicht oft verwende, finde ich die UI von Ente etwas angenehmer. Beim Rest bin ich dagegen aufgrund der unterschiedlichen Vor- und Nachteile sehr zwiegespalten.

Allerdings ist Immich einfacher zu administrieren und erfordert nicht so viele Ressourcen auf (mobilen) Geräten.

Am Ende funktionieren beide Systeme für mich, wie sie sollen: sie speichern meine Fotos und Videos auf meinem lokalen NAS. Und beide haben ihre Nachteile. Ich hoffe, dass insbesondere aufgrund der aktuellen Bewegung hinsichtlich Datensouveränität beide Projekte mehr Benutzer anziehen und die Probleme behoben werden.

Wenn du nicht mit Self-Hosting vertraut bist und es dennoch ausprobieren möchtest, versuch es mit Immich. Das gilt insbesondere auch, wenn du deine Videos in voller Auflösung anzeigen willst. Wenn das nicht so wichtig ist, du explizit einen verschlüsselten Speicher verwenden willst oder Self-Hosting für dich nicht neu ist, versuch es mit Ente.

Letztendlich kann ich mich bisher noch nicht dafür entscheiden, eines der beiden Systeme zu entfernen. Falls du dich entschieden hast, lass mich gerne die Gründe dafür erfahren, vielleicht hilft mir das bei der Entscheidungsfindung. 🙂

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